Die Säure-Basen-Balance is in aller Munde. Kein Wunder, ist doch von allen Gleichgewichtszuständen, die der menschliche Körper anstrebt, das Säure-Basen-Gleichgewicht der wichtigste. Warum? Weil ein Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen für einen normalen Stoffwechsel unabdingbar ist. Anders gesagt: Sind wir übersäuert, werden wir leichter krank. Sind wir leicht basisch, sind wir gesund. Nur wenn wir Norbert Treutwein, Autor des Buches „Übersäuerung – Krank ohne Grund“ glauben, dann sind 90 % der deutschen Bevölkerung übersäuert. Das klingt plausibel – und erschreckend zugleich.

 

KURZE DEFINITION

Säuren und Basen sind grundlegende, sich ergänzende Wechselspieler im menschlichen Organismus. Nach Brønsted ist Säure ein Molekül, welches ein positiv geladenes Wasserstoffion (H+) abgeben kann. Eine Base ist ein Molekül, welches ein H+-Ion aufnehmen kann. Das Wirkgefüge von Säuren und Basen stellt einen physiologischen Regelkreis dar, der auch als Säure-Basen-Haushalt bezeichnet wird.

 

GLEICHGEWICHT IST DAS ZIEL

Grundsätzlich neutralisieren sich Säuren und Basen gegenseitig: Treffen ein Säuremolekül und ein Basenmolekül zusammen, entsteht ein neutrales Salzmolekül, das dem Körper nichts mehr anhaben und ausgeschieden werden kann. Vom Prinzip her ist damit eine (Körper-) Flüssigkeit, die sich in einem absoluten Gleichgewicht befindet, weder basisch noch säurehaltig. Unser Körper tut alles, um in dieser Säure-Basen-Balance zu bleiben. Befindet sich im Körper zum Beispiel ein Zuviel an Säuren, so müssen sie entfernt werden. Dies läuft normalerweise völlig automatisch ab, wir merken nichts davon. Dafür sorgen sogenannte Puffersysteme.

 

DER PH-WERT

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„pH“ steht für potentia hydrogenii und ist aus dem Lateinischen abgeleitet. Es bedeutet so viel wie „die Wirksamkeit des Wasserstoffs“. Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder wie basisch eine Flüssigkeit ist. Die Mess-Skala des pH-Wertes reicht von 1 bis 14, wobei alle Werte unter 7 sauer und alle Werte über 7 basisch (oder alkalisch) sind. 7 gilt als neutral.

Die Wert-Skala ist logarithmisch aufgebaut. Das bedeutet, dass bei einem pH-Wert von 6 die Säure gegenüber „Neutral“ 10-fach erhöht ist, bei pH 5 100-fach, bei pH 4 1000-fach usw.

 

DER IDEALZUSTAND

So wie unsere ideale Körpertemperatur bei 37 Grad Celsius liegt, liegt der optimale, leicht basische pH-Wert des Blutes bei 7,365 plus/minus 0,04. Diese unglaublich kleine Toleranz ist für unser Wohlergehen von großer Wichtigkeit. Erhebliche Abweichungen in die eine oder andere Richtung (aber vor allem ins saure Milieu) wären mit dem Leben nicht vereinbar. Schwankungen stören den Transport von Nährstoffen und Sauerstoff, die Tätigkeit von Enzymen und Hormonen, die Durchlässigkeit der Zellmembrane, die Verteilung von Elektrolyten, die Reizleitung im Nervensystem und die Erregbarkeit von Muskelzellen.

„Gesund sein“ bedeutet also vereinfacht gesagt, einen leicht basischen Körper zu haben – mit ein paar kleinen Ausnahmen. So zum Beispiel muss das Milieu im Magen sauer sein, wenn eine optimale Verdauungsleistung erbracht werden soll. Ebenso sollte im Dickdarm und in der Scheide ein saures Milieu überwiegen.

 

ÜBERSÄUERUNG – STÖRUNG DES SÄURE-BASEN-HAUSHALTS

Bei einer Unterschreitung des optimalen Wertes spricht man von einer Übersäuerung (Azidose), bei einer Überschreitung nennt man den Zustand Alkalose. Bei der Übersäuerung wird in der Medizin eine wichtige Unterscheidung gemacht: akute Azidose oder chronische Azidose. Handelt es sich um eine akute Azidose, ist diese lebensbedrohlich und muss sofort notfallmedizinisch behandelt werden. Dieser spezielle Fall einer Azidose ist für uns hier zweitrangig.

Eine Übersäuerung ist ein Überschuss an Säure und ein Mangel an ausgleichenden Basen.

Wir beschäftigen uns hier mit der chronisch latenten Azidose (CLA). Diese ist eine dauerhafte, schleichende Form der Übersäuerung in den Körperzellen und Organen. Dabei muss das Organ noch gar nicht sauer im chemischen Sinne sein, also einen kleineren pH-Wert als 7 aufweisen. Auch wenn die Basen, die als Gegenspieler die Säuren abpuffern, aufgebraucht sind, spricht man bereits von einer CLA

 

GRUNDSÄTZLICHES ZUR REGULATION

Um Schwankungen des Blut-pH auszugleichen, wirken verschiedene Puffersysteme. Das wichtigste ist das Kohlensäure-Bicarbonat-System. Weitere Blutpuffer sind das Phosphat-Puffersystem, das Proteinat-Puffersystem und das Hämoglobin, welches ebenfalls als leichter Puffer dient. Der Säure-Basen-Haushalt kann generell über den Stoffwechsel (Ausscheidung über die Niere) oder die Atmung (Abatmung von CO2 über die Lunge) reguliert werden.

 

REGULATION ÜBER DIE ATMUNG

CO2 fällt generell als Stoffwechselendprodukt in allen Zellen an. Dieses Gas liegt im Blut physikalisch gelöst als Kohlensäure vor. Damit die Kohlensäure wieder aus dem Körper entfernt wird, atmen wir CO2 über die Lungen aus. Fallen bei anderen physiologischen oder pathologischen Stoffwechselvorgängen mehr Säuren oder Basen an als normal, so kann durch eine vermehrte oder verminderte CO2-Abatmung der pH-Wert sehr schnell wieder ausgeglichen werden. Laut Markus Schirnen, Autor des Buches „Atem-Techniken“ sollen bis zu 70 % aller Abfallstoffe über den Atem ausgeschieden werden!

1 Ein Grund mehr, der Regulation über die Atmung einen angemessenen Platz bei der Entgiftung zu gewähren.

Siehe hierzu auch meinen Blogbeitrag zur Wim Hof Methode.

 

KLEINERE UNGLEICHGEWICHTE WERDEN NEUTRALISIERT

Alle Regulationsmechanismen des Körpers streben danach, das empfindliche Säure-Basen-Gleichgewicht zu erhalten; ein sich in niedere Bereiche bewegender pH-Wert des Blutes wird nicht toleriert. Um diese Konstanz zu erhalten, geht der Körper sehr weit – zur Not auf Kosten anderer Gewebe oder Systeme.

Wird das Blut einmal mit zu viel Säure belastet, holt es sich zum Ausgleich basische Mineralstoffe aus dem Gewebe. Zu den neutralisierenden Entsäuerungsmineralien zählen Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen (saure Mineralien sind im Gegensatz dazu Schwefel, Phosphor, Chlor, Fluor und Jod). Für solche vorübergehenden Notsituationen legt der Körper einen Notvorrat an diesen basischen Mineralien an. Kleinste Schwankungen können also immer wieder ausgeglichen werden. Das ist kein Problem.

 

ERSTE MANGELZUSTÄNDE

Ist dieser Notvorrat aber irgendwann aufgebraucht und werden zudem auch noch nicht ausreichend neue Entsäuerungsmineralien über die Nahrung aufgenommen, holt sich das Blut die zum Ausgleich seines pH-Wertes notwendigen Mineralien aus anderen Quellen, etwa aus den Knochen (Kalzium) oder den Muskeln (Magnesium).

Das Problem ist nur, dass diese dort natürlich auch gebraucht würden. Die Folge: Es entstehen erste Mangelzustände, die mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, welche aber meistens nicht einer Übersäuerung zugeordnet und in der Regel auch nicht als solche von Ärzten diagnostiziert werden. Oder hat irgendjemand schon einmal bei Kopfschmerzen, kleinen Hautprobleme, Müdigkeit, Erkältungen, grippalen Infekten oder Entzündungen von seinem Arzt die Empfehlung bekommen, die Ernährung umzustellen oder eine Entgiftungskur zu machen?

 

SYMPTOME

Neben den bereits genannten Symptomen zählen auch Antriebsschwäche, schnelles Ermüden, Appetitlosigkeit sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden zu den möglichen Anzeichen einer chronischen Übersäuerung. Andere Signale einer chronischen Übersäuerung können auch sein, wenn wir uns häufig matt fühlen und es z. B. auch ohne Belastung zu Schmerzen in den Gelenken kommt. Oder aber der Nacken verspannt sich und die Haut neigt zu Juckreiz bzw. Unreinheiten. Du siehst: Das Feld der Symptome einer Übersäuerung ist groß, da der gesamte Organismus unter einer chronischen Übersäuerung leidet. Und wie so oft entstehen die ersten Mangelerscheinungen zuerst beim „schwächsten Glied“.

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WENN DER TEUFELSKREIS AUSSER KONTROLLE GERÄT

Wird die Übersäuerung so groß, dass das Blut sie nicht mehr ausgleichen kann, wird die überschüssige Säure im Gewebe abgelagert. Dann muss das Lymphsystem neutralisieren, so weit es dazu im Stande ist – und versuchen, alles loszuwerden. Leider bedeutet dieses „Loswerden“, dass die Säure vom Gewebe zurück ins Blut befördert wird. Es entsteht ein Teufelskreis, der dem Körper noch mehr wichtige Mineralstoffe entzieht und Leber und Nieren belastet.

Wenn die Dinge noch stärker außer Kontrolle geraten, wird die Situation ernster. Geschwächte Organe und Systeme geben nach, es entstehen Störungen der Schilddrüse, der Nebenniere, der Leber und so weiter. Bewegt sich der pH-Wert zu stark ins Saure, nimmt die Sauerstoffversorgung ab und der Zellstoffwechsel wird abgestellt. Mit anderen Worten: Zellen sterben ab. Und das kann dann alle möglichen Bereiche des Körpers betreffen – das Herz genauso wie beispielsweise das Gehirn.

 

DIE FOLGEN EINER CHRONISCHEN ÜBERSÄUERUNG

Ein dauerhaft gestörtes Säure-Basen-Gleichgewicht kann den Boden für Krankheiten bereiten. Akute und chronische Krankheiten können entweder entstehen, …

  • weil das Blut zur eigenen Stabilisierung basische Mineralien aus Knochen, Organen und Muskeln abzieht und folglich dort der Zellstoffwechsel zusammenbricht.
  • weil der Organismus mit aller Kraft versucht, sich zu entgiften, und es z. B. beim Ausscheiden über die Haut zu Symptomen wie etwa Ekzemen, Akne und Furunkeln kommen kann. Aber auch Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Schwellungen, Reizungen, Entzündungen und Schmerzen können flankierende Entgiftungserscheinungen sein.
  • weil saure Stoffwechselprodukte nicht ausgeschieden werden können und in die Blutbahn gelangen. Der Blutkreislauf will sie natürlich auch nicht haben und wird versuchen, sie über die Lungen oder die Nieren loszuwerden. Ist die Menge der Abbauprodukte zu groß, werden die Abfälle in verschiedenen Organsystemen eingelagert, etwa dem Herzen, der Bauchspeicheldrüse, der Leber und dem Dickdarm. Oder sie werden im Fettgewebe gespeichert, etwa in den Brüsten, an den Hüften, Oberschenkeln, am Bauch – und im Gehirn.
  • weil in einem sauren Milieu wunderbar Mikroorganismen gedeihen: Bakterien, Viren, Hefen, Pilze und Schimmelpilze. Sie genießen regelrecht die niedrige Sauerstoffkonzentration, die mit der Übersäuerung einhergeht. Außerdem sind die Spaltprodukte, die sie ausscheiden, extrem sauer – „Zunder“ für den Teufelskreis. Ist die Übersäuerung chronisch, können diese Mikroorganismen schnell die Überhand nehmen.

WAS MÜCKEN MIT EINER ÜBERSÄUERUNG ZU TUN HABEN

Der deutsche Arzt Rudolf Virchow (1821-1902), Gründer der modernen Pathologie, schrieb einmal: „Mücken suchen stehendes Wasser auf, aber sie sind nicht die Ursache dafür, dass das Wasser steht.“ Recht hat er, denn mit den Mikroorganismen scheint es sich genauso zu verhalten. Bakterien, Pilze & Co. lassen sich erst blicken, wenn das Umfeld geschädigt bzw. übersäuert ist. Dann fällt die Sauerstoffsättigung und der Organismus stellt mehr und mehr auf anaerobe Bedingungen („ohne Sauerstoff“) um. Jetzt werden die Mikroorganismen so richtig aktiv und machen sogesehen die Arbeit eines Leichenbestatters. Ihre Toxine zersetzen Stück für Stück den Körper: Wir gären, verschimmeln und verfaulen im Grunde innerlich. Keine schöne Vorstellung, aber bei einer chronischen Übersäuerung leider die Realität.

Damit erklärt sich nun auch, was Mücken mit Übersäuerung zu tun haben: Die Mücken aus dem Zitat von Virchow sind nicht das Primäre – also die Ursache, sondern das Sekundäre – die Folge bzw. „nur“ ein Symptom. Ebenso scheint es mit vielen (chronischen) Krankheiten zu sein. Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs u. v. m. scheinen das Sekundäre – das Symptom zu sein, die Übersäuerung und die daraufhin aktiv werdenden Mikroorganismen dafür das Primäre! Daraus folgt logisch: Die Behandlung des Symptoms kann funktionieren, ist dann aber nicht nachhaltig. Das Symptom kann nur dann vollumfänglich gelöst werden, wenn man bei der Ursache ansetzt. Daran sollte man immer denken, wenn man mit einer kleinen oder großen Krankheit konfrontiert ist – unabhängig davon, welchen Lösungsweg man präferiert.

Mikroorganismen und ihre Abfallstoffe (Säuren, Alkohole und Toxine) tragen direkt oder indirekt zu einer endlos langen Reihe von Symptomen bei. Die meisten Krankheiten, besonders chronische und degenerative Krankheiten, folgend auf wuchernde, sich vermehrende Mikroorganismen (die sich am liebsten in einem sauren Milieu ansiedeln). Laut Robert O. Young 2, Mikrobiologe und Ernährungswissenschaftler, Dr. med. Michael Worlitschek 3, Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren sowie dem Reformhaus-Ratgeber „Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht“ (welcher vom Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e. V. empfohlen wird) 4 können dazu zählen:

  • Diabetes
  • Krebs
  • Arteriosklerose (Arterienverkalkung)
  • Osteoporose
  • Chronische Müdigkeit
  • Schmerzen
  • Infektionsneigung
  • Funktionsstörungen der Nebenniere oder Schilddrüse
  • Verdauungsstörungen
  • Heißhungerattacken
  • Koliken
  • Blähungen
  • Depressionen
  • Hyperaktivität
  • Asthma
  • Hämorrhoiden
  • Erkältungen
  • Grippale Infekte
  • Atemwegserkrankungen
  • Hauterkrankungen und -ausschläge
  • Zahnfleischschwund
  • Pilze an Fingern und Fußnägeln
  • Benommenheit
  • Gelenkschmerzen
  • Schlechter Atem
  • Geschwüre
  • Kolitis
  • Sodbrennen
  • Mundtrockenheit
  • PMS und Menstruationsstörungen
  • Reizbarkeit
  • Verschwollene Augen
  • Verminderter Sexualtrieb
  • Stimmungsschwankungen
  • Pilzinfektionen in der Scheide
  • Zysten und Tumore
  • Rheumatoide Arthritis
  • Taubheitsgefühle in den Gliedern
  • Heuschnupfen
  • Darmstase (Darmbewegungsstockung)
  • Niedriger Blutzucker
  • Hiatushernie (Zwerchfellbruch)
  • Kopfschmerzen
  • Lethargie/Trägheit
  • Schlaflosigkeit
  • Selbstmordgedanken
  • Kältegefühl/Zittrigkeit
  • Chronische Infekte
  • Über- und Untergewicht
  • Überempfindlichkeit gegen Chemikalien
  • Schlechtes Gedächtnis
  • Muskelschmerzen
  • Allergien (Umweltstoffe/Nahrungsmittel)
  • Brennen der Augen
  • Multiple Sklerose
  • Malabsorption
  • Blaseninfektionen

URSACHEN

In den ersten Lebensjahrzehnten wird der Organismus in der Regel noch gut mit den Säureüberschüssen fertig. Und selbst wenn nicht: Er räumt dann die Notdepots leer und zieht Nährstoffe aus den Knochen und Muskeln ab. Und das bedeutet: Entweder kommt es noch nicht zu einer chronischen Übersäuerung oder sie wird als solche nicht identifiziert.

Die Auswirkungen einer Übersäuerung werden unter Umständen erst viele Jahre oder sogar erst Jahrzehnte später augenscheinlich. Nur sind wir dann in der Regel nicht mehr in der Lage, der nun so langsam offenkundig werdenden Wirkung die wirklichen Ursachen zuzuordnen. Um es etwas vereinfacht auszudrücken: Wer käme denn auf die Idee, dass die ständigen Migräneanfälle sowie die permanente Antriebslosigkeit mit 40 Jahren Auswirkungen einer Übersäuerung sind, die mitunter auf die vielen säurebildenden Sonntagsbraten zurückgeführt werden kann, die man als Teenager regelmäßig bei Oma gegessen hat?

Damit wären wir bei einer sehr spannenden Frage angekommen: Was ist die Ursache einer chronischen Übersäuerung? Der Ursprung liegt in den folgenden 4 Punkten:

  1. Falsche Ernährung
  2. Mangelnde Bewegung
  3. Äußere Gifte
  4. Innere Gifte

Dieses Quartett kann eine chronische Übersäuerung des Körpers in Gang setzen und ihn bis in die Zellebene hinein stören. Das Blut und alle Zellen sind so gut es geht bemüht, sich an den fallenden pH-Wert und die schlechten Bedingungen anzupassen. Sinkt der pH-Wert aber fortan, so gehen die Zellen zugrunde und entwickeln sich zu Bakterien, Hefen, Pilzen und Schimmelarten. Deren Abfallprodukte sind zusätzliche Säuren, die das Milieu weiter verschlechtern. Das führt zu einer kaskadierenden Störung des Systems und der Teufelskreis ist geschlossen.

Siehe hierzu auch diesen Blogbeitrag: Warum Detox? Warum Reboot? Warum Entgiftung?

FALSCHE ERNÄHRUNG

Wir essen grundsätzlich zu viel vom Falschen und zu wenig vom Richtigen: Wir verzehren zu viel Fleisch, Fisch, Käse, Eier, Weißmehl, Süßspeisen, Zucker, Kaffee und Alkohol. Gleichzeitig essen wir viel zu wenig basenbildendes, unverarbeitetes Obst- und Gemüse. Hinzu kommt, dass wir zu wenig trinken: Unser Körper braucht zur Gesunderhaltung pro Tag ca. 2-3 Liter Wasser (je nach dem, wieviel wasserentziehende Nahrungsmittel konsumiert werden) – stilles Wasser oder Kräutertee, kein Mineralwasser (auch keine industriell hergestellten und mit Zucker versetzten Getränke wie z. B. Limonaden, Cola oder Energie-Drinks). Einen Teil der Flüssigkeit beziehen wir aus der festen Nahrung, aber 1,5 bis 2,0 l müssen wir in flüssiger Form zuführen.

MANGELNDE BEWEGUNG

Zu wenig körperliche Aktivität führt infolge unzureichender Durchblutung der Muskulatur zu Sauerstoffmangel, wodurch zusätzlich Milchsäure gebildet wird. Durch die mangelnde Bewegung wird zudem die Kapazität der Lunge zur Entgiftung der Säuren nicht vollständig genutzt. Last but not least kommen wir so auch nicht ins Schwitzen, was eine Säureausscheidung über die Haut ebenso verunmöglicht.

ÄUSSERE GIFTE

In den Industrienationen können wir den mannigfaltigen äußeren Giften kaum noch aus dem Weg gehen. Dabei handelt es sich um Lebensmittelzusatz- und Konservierungsstoffe in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, Farbstoffe, Aromen, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in der konventionellen Nahrung, Tabak, Alkohol, Waschmittelzusätze und Zusätze in Körperpflegeprodukten, Medikamente, Umweltgifte,  Chemikalien, Lösungsmittel, Luftverschmutzung, elektromagnetische Strahlung und mittlerweile scheinbar auch Chemtrails.

Einigen von ihnen kann man mit mehr oder minder großem Aufwand aus dem Weg gehen. So kann man zum Beispiel auf Tabak, Alkohol, Parfüm und Medikamente verzichten. Auch kann man auf industriell verarbeitete Lebensmittel und solche Nahrungsmittel verzichten, die nicht Bio sind. Genauso kann man z. B. Naturkosmetik und Waschmittel ohne chemische Zusätze verwenden. Aber Umweltgiften, Luftverschmutzung, elektromagnetischer Strahlung und Chemtrails geht man schon nicht mehr so leicht aus dem Weg – zumindest nicht, wenn man hier in Zentraleuropa ansässig bleiben will.

INNERE GIFTE

Wer kennt sie nicht: Menschen, die sich vorbildlich vegan ernähren, viel grünes Gemüse und Obst zu sich nehmen, sich regelmäßig und umfangreich bewegen, aber trotzdem durch permanenten Stress, seelische Belastung, familiären Kummer, unbewusste Ängste, ein gestörtes Gefühlsleben und / oder ein scheinbar nicht enden wollendes, negatives Gedankengewitter völlig übersäuert sind.

Du glaubst nicht, dass solche „weichen Faktoren“ zu einer Übersäuerung führen können? Dann erinnere Dich einmal an einen Zustand, an dem Du (oder eine Dir nahe stehende Person) schlecht vorbereitet in eine Prüfung gegangen bist und sich Dir vor lauter Angst möglicherweise sogar der Magen umgedreht hat: Der emotionale Stress in dieser Situation hat zu viel Säure produziert und der Körper hat alles versucht, um diese Belastung auszuleiten. Dies zeigt: Gedanken und Emotionen haben potenziell toxische Wirkung.

DIAGNOSE

Zur Überprüfung des Zustands des Säure-Basen-Haushalts gibt es verschiedene Methoden, die mit Speichel, Urin oder Blut arbeiten. Bei der Aussagekraft der verschiedenen Methoden geht die Meinung jedoch auseinander. Der Vorteil der ersten beiden Methoden liegt in der leichten Handhabung: Man holt sich einfach sogenanntes Indikatorpapier in der Apotheke, und misst den Säuregrad (pH-Wert) bequem zuhause. Der Nachteil dieser Methoden ist allerdings, dass beide sehr stark als Reaktion auf das schwanken, was man zuvor gegessen hat. Außerdem wird hier nur ca. 1 % der ausgeschiedenen Säure erfasst.

Wirklich zuverlässig kann der Säure-Basen-Status des Körpers nur anhand einer im Labor ausgewerteten Blutprobe ermittelt werden. Allerdings kann die Messung des Urins einen ersten Hinweis geben, ob ein Risiko für eine Übersäuerung besteht. Wenn Du diese Methode nutzen möchtest, dann führe wegen der ernährungsabhängigen Schwankungen besser mehrere Messungen über den Tag verteilt durch (ggf. mehrere Tage lang) und bilde dann den Mittelwert Deiner Ergebnisse.

MASSNAHMEN

Die beste und natürlichste Möglichkeit für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt ist eine basenüberschüssige Ernährung, eine ausreichende Zufuhr von qualitativ hochwertigem Wasser, viel Bewegung, die Ausschaltung von „äußeren Säuren“ und natürlich die innere Entgiftung. Unter Umständen können auch Nahrungsergänzungsmittel gute Dienste leisten. Wenn sich allerdings bereits eine chronische Übersäuerung entwickelt hat, dann reicht eine Ernährungsumstellung möglichweise nicht mehr aus. In diesem Fall solltest Du einen Arzt Deines Vertrauens konsultieren.

WORAN ERKENNT MAN BASENBILDENDE LEBENSMITTEL?

Achtung: Der pH-Wert eines Lebensmittels sagt nichts darüber aus, wie es sich nach der Verstoffwechselung im Körper verhält. Zitrusfrüchte wie beispielsweise eine Zitrone schmecken sauer, wirken sich nach der Verstoffwechselung aber stark basisch aus. In sofern kann man die Zitrone als „saures“ Obst bezeichnen, das allerdings stark „basenbildend“ wirkt.

In Veröffentlichungen und Ratgebern zum Säure-Basen-Haushalt finden sich zum Teil unterschiedliche Angaben zum Effekt der verschiedenen Lebensmittel auf das Säure-Basen-Gleichgewicht. Oft bleibt undurchsichtig, wie die Autoren zu ihren Einschätzungen kommen. Verlässliche und wissenschaftlich gut abgesicherte Indikatoren zur Einschätzung der Säurelast von Lebensmitteln sind der Potential Renal Acid Load (PRAL) und die potenzielle Säurebelastung der Nieren nach Remer und Manz.

Nachfolgend findest Du zwei Tabellen, welche einen Vergleich von Lebensmitteln anhand deren Säurelast ermöglichen:

FORSCHUNG ZEIGT: BASISCHE ERNÄHRUNG VERBESSERT GESUNDHEIT UND LEBENSERWARTUNG

Vollkommene Gesundheit erfordert einen ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt. Dieser kann nur durch eine ausgewogene Ernährung erreicht werden.

Einheitlich gelten grünes Gemüse (Grünkohl, Spinat, Blattsalate, Löwenzahn, Gurke, Fenchel etc.), Kräuter (Petersilie, Thymian, Pfefferminze, Ingwer etc.) sowie sonnengereiftes Obst (Äpfel, Ananas, Birnen, Datteln, Zitronen, Limetten etc.) und Kokosnüsse, Wasser (ohne Kohlensäure) und Kräutertees als mittlere bis stark basenbildende Lebensmittel.

Zudem können in angemessenen Mengen Kartoffeln, Maroni, Sprossen, Quinoa, Buchweizen, Hirse, Nüsse, Samen, Kerne, Leinsaaten, Trockenobst, Pilze, Tofu, roher Kakao und naturtrüber Apfelessig als leicht basenbildende oder „gute“ bzw. leicht säurebildende Nahrungsmittel dazukommen. Demgegenüber solltest Du auf stark säurebildende Lebensmittel wie Fertigprodukte aller Art, Fleisch, Fisch, Eier, Käse und andere Milchprodukte, stark verarbeitete Sojaprodukte, Weißmehlprodukte, Cerealien, Seitan-Produkte, Zucker und zuckerhaltige Produkte, alkohol- und koffeinhaltige Produkte verzichten.

Zudem empfehlen dann auch sogenannte Ernährungsexperten, dass wir täglich ca. 80 % basische bzw. basenbildende Lebensmittel zu uns nehmen sollen und 20 % säurebildende. Folgen wir diesem Prinzip, verbessern wir damit erwiesenermaßen unseren gesundheitlichen Zustand und unsere Lebenserwartung. 5

BASISCHE ERNÄHRUNG KANN ARTERIOSKLEROSE ENTGEGENWIRKEN

Bezüglich der Arteriosklerose existieren wissenschaftliche Untersuchungen, dass eine vitaminreiche Ernährung mit viel Gemüse und Früchten (vor allem grünes Gemüse!) das Erkrankungsrisiko senkt. 6 7 8

BASISCHE ERNÄHRUNG KANN OSTEOPOROSE ENTGEGENWIRKEN

Besonders in Bezug auf die Osteoporose gibt es deutliche Hinweise auf einen Einfluss des Säure-Basen-Haushaltes. Es besteht Einigkeit darüber, dass eine fortdauernde Übersäuerung die Freisetzung von Mineralstoffen aus dem Knochen begünstigt. Die Aktivität der Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) und der Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) ist pH-abhängig. So führt bereits eine geringfügige Azidose zu einem deutlich erhöhten Knochenabbau. 9

Weitere wissenschaftliche Studien belegen den Zusammenhang zwischen einer Ernährung mit mehr Früchten und Gemüse und einer Verringerung des Osteoporoserisikos. 10 11 12 In einigen kleineren Interventionsstudien resultierte die Einnahme von alkalischen Substanzen in einer niedrigeren Ausscheidung von Markern des Knochenabbaus im Urin. 13 14

PSYCHE: SAUER MACHT SCHEINBAR ÄNGSTLICH

In einer 2009 durchgeführten Studie konnte der Amerikaner Ziemann beweisen, dass das Gehirn von Mäusen nach der Inhalation von CO₂ sauer wurde und die Mäuse anschließend verstärktes Angstverhalten zeigten. 15

BASISCH IST NICHT AUTOMATISCH GESUND

Eine basische Ernährung soll und wird nicht den gesamten Körper in einen basischen Zustand versetzen. Das wäre genauso ungesund wie ein übersäuerter Körper. Die basische Ernährung entsäuert – idealerweise kombiniert mit flankierenden Maßnahmen wie ausreichend Bewegung, möglicherweise Colon-Hydro-Therapie, Massagen, Yoga und Meditationen – das Bindegewebe, die Lymphe, den Dünndarm und alle anderen Organe und Körperbereiche, die einen basischen pH-Wert benötigen.

Gleichzeitig sorgt die basische Ernährung dafür, dass sich im Magen die Magensäureproduktion einpendelt (nicht zu schwach und nicht zu stark) und dass sich im Dickdarm sowie in der Scheide wieder jene nützlichen Bakterien ansiedeln können, die dort für das erforderliche saure Milieu sorgen.

Ich empfehle Dir in diesem Zusammenhang eine basische Ernährung, die nicht nur basisch, sondern auch gesund ist. Das klingt zunächst verwirrend, glaubt man doch gemeinhin, das basisch gleichbedeutend mit gesund ist. Das stimmt auch zu 99 %. Es gibt aber auch hier wieder Ausnahmen. Wenn Du Dir nämlich so manche – nach hochwissenschaftlichen analytischen Methoden erstellte – Säuren-Basen-Tabelle ansiehst, dann kannst Du feststellen, dass zum Beispiel Zucker „neutral“ verstoffwechselt wird oder dass u. U. Wein, Nuss-Nougat-Creme, Marmelade, Bier und Eis als basische Lebensmittel ausgewiesen sind. Dennoch gilt der Verzehr von diesen Lebensmitteln als negativ für den Säure-Basen-Haushalt.

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  1. Vgl. Schirner, Markus: Atem-Techniken. Schirner, Darmstadt 2008, 3. Auflage, S. 13
  2. Vgl. Young, Robert O. und Redford Young, Shelley: Die pH-Formel für das Säure-Basen-Gleichgewicht. Mosaik, München 2003, 2. Auflage
  3. Vgl. Worlitschek, Dr. med. Michael: Praxis des Säure-Basen-Haushalts – Grundlagen und Therapie. Haug, Stuttgart 2008, 6. überarbeitete Auflage
  4. Vgl. Stonjek, Inka et al.: Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht. Eigenverlag Reformhaus, Hamburg 2012, 2. Auflage; https://www.reformhaus.de/files/Ratgeber/Ratgeber_SaeureBasenHH_low_2012.pdf
  5. Vgl. Schwalfenberg, Gerry K.: The alkaline diet: Is there evidence that an alkaline ph diet benefits healt?. Journal of Environmental and Public Health. 2012;2012:727630. doi:10.1155/2012/727630, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3195546/
  6. Vgl. Liu, S. et al.: Intake of vegetables rich carotenoids and risk of coronary heart disease in men: The Physician’s Health Study. Int J Epidemiol. 2001 Feb; 30 (1): 143-4; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11171873
  7. Vgl. Liu, S. et al.: Fruit and vegetable intake and risk of cardiovascular disease: the Women’s Health Study. Am J Clin Nutr 2000;72:922-8; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11010932
  8. Vgl. Joshipura, K. et al.: The effect of fruit and vegetable intake for coronary heart disease. Ann Int Med 2001; 134(12): 1106-14; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11412050
  9. Vgl. Arnett, T.: Regulation of bone cell function by acid-base balance. Proc Nutr Soc. 2003 May;62(2):511-20; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14506899
  10. Vgl. Tucker, K. et al.: The acid-base hypothesis: diet and bone in the Framingham Osteoporosis Study. Eur J Nutr. (2001) 40(5): 231-7; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11842948
  11. Vgl. Macdonald, H. et al.: Low dietary potassium intakes and high dietary estimates of net endogenous acid production are associated with low bone mineral density in premenopausal women and increased markers of bone resorption in post- menopausal women. Am J Clin Nutr (2005) 81(4): 923-33; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15817873
  12. Vgl. Welch, A. et al.: More acidic dietary acid-base load is associated with reduced calcaneal broadband ultrasound attenuation in women but not in men: results from the EPIC-Norfolk cohort study. Am J Clin Nutr (2007) 85: 1134-41; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17413116
  13. Vgl. Maurer, M. et al.: Neutralization of western diet inhibits bone resorption independently of K intake and reduces cortisol secretion in humans. Am J Physiol Renal Physiol (2003) 284(1): F32-40; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12388390
  14. Vgl. Sakhaee, K. et al.: Effects of potassium alkali and calcium supplementation on bone turnover in postmeno-pausal women. J Clin Endocrinol Metab. (2005) 90(6):3528-33; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15755853
  15. Vgl. Ziemann et al.: The Amygdala is a Chemosensor that Detects Carbon Dioxide and Acidosis to Elicit Fear Behavior. Cell. 2009;139(5):1012-1021; http://www.cell.com/abstract/S0092-8674(09)01420-2
Von | 2017-05-23T15:52:46+00:00 29. November 2016|

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2 Kommentare auf "SÄURE-BASEN-BALANCE & ÜBERSÄUERUNG"

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Gast

Vielen dank für die Informationen. Habe mich jahrelang ungesund ernährt und jetzt habe ich dafür auch die Strafe bekommen und möchte jetzt gegen die Jahre ankämpfen indem ich mich gesund ernähre und viel Sport mache. Werde mich jetzt 80% Basisch ernähren. Toller Artikel, danke.

Gruß Anna

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